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Mit großflächigen Fotografien die Öffentlichkeit sensibilisieren

Kind mit Schriftzug auf der Stirn

Schon mal was von "Cyber Grooming", "Loverboys" oder "Sextortion" gehört? Anglizismen, die manch ein Erwachsener vielleicht noch gar nie vernommen hat, die im jugendlichen Sprachgebrauch aber durchaus Gang und Gäbe und die leider auch zur Lebensrealität vieler junger Menschen geworden sind - Tendenz steigend. Ein entscheidender Grund, warum die Fotografin Lena Reiner jetzt den zweiten Teil ihrer Aufklärungskampagne "Not for sale" - "Nicht zu verkaufen" in Friedrichshafen startet. Sie richtet sich gegen sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen, die im schlimmsten Fall in Zwangsprostitution oder in einer Missbrauchssituation vor der Kamera enden kann.

Lena Reiners großflächige Schwarzweißfotos, die in Zusammenarbeit mit elf- bis 16-jährigen Schülerinnen der Jungen- und Mädchenrealschule St. Elisabeth entstanden sind, werden seit Dienstagnachmittag auf insgesamt 26 wiederverwertbaren Bannern an städtischen Baustellen, aber auch an Hotspots wie dem Jugendzentrum Molke oder der ZF-Arena gezeigt. Bereits im vergangenen Jahr war die Plakataktion in Friedrichshafen, später auch Hamburg, Schwerin, Bergisch Gladbach, Mainz und Zürich präsent. Auf den neuen Bannern findet sich mittlerweile jeweils ein QR-Code mit einem weiterführenden Link zum Thema.

Zurück zur Ausgangsfrage: Von "Cyber Grooming" spricht man, wenn Erwachsene Kinder und Jugendliche im Internet gezielt mit sexuellen Absichten kontaktieren. Ziel sind hierbei immer virtuelle oder reale sexuelle Handlungen. "Loverboys" sind meist selbst noch Teenager, machen großzügige Geschenke, schleichen sich im Freundeskreis ein, sprechen von der großen Liebe und zwingen doch minderjährige Mädchen letztlich in die Prostitution. Und bei "Sextortion" geht es um Erpressung und die Androhung, intime Fotos und andere Informationen über das Opfer zu veröffentlichen.

Dass es sich hierbei um keine Einzelfälle handelt, auch das macht Lena Reiner Sorgen. So gehe aus dem BKA-Lagebericht zum Menschenhandel im Jahr 2018 hervor, dass 172 Minderjährige Opfer kommerzieller sexueller Ausbeutung geworden seien, 34 von ihnen seien jünger als 14 Jahre alt gewesen. "Die Öffentlichkeit sensibilisieren - gerade auch für die Gewaltstrukturen, die im Prostitutionsmilieu vorherrschen", nennt Lena Reiner eines ihrer Hauptanliegen. "Wir dürfen auf keinen Fall die Augen verschließen", so auch die Meinung von Brigitte Pfrommer-Telge als städtische Gleichstellungsbeauftragte.

Ermöglicht wurde die jetzt gestartete zweite Kampagne durch die Unterstützung der Stadt Friedrichshafen, der Zeppelin Universität, des Jugend- und Kulturzentrum Molke, der Beratungsstelle Morgenrot, dem Baumhauer Outdoorsport und durch private Spenden. Zu sehen sind die Banner voraussichtlich bis Anfang nächsten Jahres.

Text Brigitte Geiselhart